Die
ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatete zweijährige
Distel war im Altertum hauptsächlich als Gemüse
bekannt und spielte als Arzneipflanze nur eine untergeordnete
Rolle. Hildegard von Bingen erwähnte die Pflanze als
Mittel gegen Seitenstechen entsprechend der Signaturenlehre,
wobei von äußeren Pflanzenmerkmalen auf eine spezifische
Wirkung ausgegangen wird (stechende Pflanze hilft gegen stechende
Schmerzen). Erst Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte man
die Wirkung auf die Leber, die durch wissenschaftliche Untersuchungen
im 20. Jahrhundert bestätigt wurde.
Woher kommt der Name?
Ursprünglich wurde die Pflanze von Linné als Carduus
marianus (abgeleitet vom lateinischen Wort „carduus“ =
Distel) bezeichnet und erst später in die eigene Gattung Silybum überführt.
Silybum leitet sich vom griechischen „silybon“ = Quaste
ab. Unter diesen Namen war die Mariendistel in der Antike bekannt
und wurde so auch von Dioskurides bezeichnet.
Der deutsche Name Mariendistel bezieht sich auf eine Legende. Die
Muttergottes Maria soll beim Stillen einige Tropfen Milch über
die Blätter vergossen haben, wodurch diese ihre weiße
Marmorierung erhielten.
 Wo
kann die Mariendistel helfen?
Mit lipophilen Auszugsmitteln gewonnene Trockenextrakte aus den
Früchten enthalten den Wirkstoffkomplex Silymarin. Sie werden
zur unterstützenden Behandlung von chronisch entzündlichen
Lebererkrankungen, Leberzirrhose oder durch Lebergifte, wie z.B.
Alkohol, hervorgerufene Erkrankungen verwendet. Die Wirksamkeit
des in den Früchten enthaltenen Silymarins konnte in verschiedenen
klinischen Studien nachgewiesen werden. Die Wirkung beruht auf
einem Schutz der Leberzellen einerseits, außerdem wird die
Regenerationsfähigkeit der Leberzellen gesteigert, das Gewebe
der Leber kann gesunden. Teezubereitungen dagegen enthalten kaum
Silymarin und werden volksmedizinisch bei Verdaungsbeschwerden
eingesetzt.
Worauf ist unbedingt zu achten?
Eine Behandlung mit Mariendistelpräparaten kann keinesfalls
das Vermeiden der Leberschäden auslösenden Ursache ersetzen,
d.h. bei toxischen Leberschäden bleibt Abstinenz weiterhin
die wichtigste Maßnahme. Da Lebererkrankungen einen schweren
Verlauf nehmen können, sollte die Behandlung ärztlich überwacht
werden. Insbesondere bei Auftreten schwerer Symptome oder gar einer
Gelbsucht (Gelbfärbung der Haut und/oder des Augenweiß)
ist ein Arztbesuch unumgänglich.
Nicht angewendet werden dürfen Zubereitungen aus der Mariendistel
bei Überempfindlichkeit gegenüber der Mariendistel oder
anderen Vertretern aus der Familie der Korbblütler.
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